Woher stammt eigentlich die Redewendung “Ziehen wie Hechtsuppe”?
Frage des Alltags CCXXIII: Hechtsuppe
27 Freitag Jan 2012
Veröffentlicht in Frage des Alltags
27 Freitag Jan 2012
Veröffentlicht in Frage des Alltags
Woher stammt eigentlich die Redewendung “Ziehen wie Hechtsuppe”?
Hast du schon mal eine Hechtsuppe vor dein Fuhrwerk vollgeladen mit schweren Kaminholz gespannt? Wenn ja, dann weißt du, wie die zieht.
Ganz falsch. Die dicke Frau Biehr, meine Ex, die heisst mit Mädchennamen Hechtsuppe und wenn du die was ziehen lässt (ich will jetzt mal nicht sagen, was, weil ja auch Kinder mitlesen könnten, he he he), dann weißt du, was das heißt: „Ziehen wie Hechtsuppe“.
Aus Ostpreußen, der kalten Heimat. Da wette ich Dups und Zagel drauf.
Ziehen wie Hechtsuppe
Bedeutung: Starke Zugluft in Räumen, z.B. wenn Fenster und Tür gleichzeitig geöffnet sind, aber auch im Freien, wenn der Wind durch eine Gasse, über eine Bergspitze usw. pfeift.
Herkunft::Die Herkunft ist letztlich nicht sicher. Am häufigsten wird die Meinung vertreten (u.a. durch den “Duden”), daß es sich dabei um die Eindeutschung einer jiddischen Wendung (hech soppa oder supha – wie ein Sturm) handelt. Obwohl inhaltlich in dem Sinne stimmig, daß ja auch ein Sturm mit starken Winden zu tun hat, ist diese Lesart nicht unangefochten, weil eine solche jiddische Wendung von den Sprachwissenschaftlern nur schwer bis gar nicht nachgewiesen werden kann.
Eine Alternative lautet, daß diese Redensart doch auf Fischsuppen gemünzt ist, die oft recht lange ziehen müssen, um ihren Geschmack entfalten zu können. Bei diesem Erklärungsversuch drängt sich allerdings die Frage auf, worin der Zusammenhang zu starker Zugluft bestehen soll?
Eine dritte Variante bezieht sich auch auf eine Fisch-, genauer gesagt: Hechtsuppe, die dank Pfeffer und Meerrettich schon schmerzhaft scharf war. Die Verwendung der Redensart im Zusammenhang mit diesem “Rachenputzer” ist zwar zumindest für Preußen nachgewiesen, aber längst außer Mode. Ganz abgesehen davon, daß sich auch hier eine Überleitung zu Zugluft nur schwer finden läßt. Ein gemeinsamer Nenner könnte sein, daß zuviel Würze im Mund genauso schmerzt wie schneidender, kalter Wind. Aber vollends überzeugt auch dieser Ansatz nicht.
Anmerkung: Das Jiddische ist eine über Jahrhunderte gewachsene Spielart des Deutschen, die vom Hebräischen und von osteuropäischen Sprachen beeinflußt wurde.
Beispiele:
“Das Spiel dümpelte so vor sich hin und im Fanblock zog es wie Hechtsuppe.”
“Bei der ungünstigen Lage kann es ja auch nur ziehen wie Hechtsuppe.”
“Im Winter ist die Hütte allerdings nur für Quickies geeignet, da es dort zieht wie Hechtsuppe.”
“Als nach 1945 die Produktion wieder aufgenommen wurde, mußten die Flaschen noch mit einer Bürste gereinigt werden, das Wasser war eisig, Brennmaterialien knapp, und es zog wie Hechtsuppe.”
Hatten wir das nicht schon mal? Oder war das in meinem Blog? Ansonsten kann ich dem Zündel nur beipflichten. Gute Arbeit, Kollege!