Die Wackengrippe sucht sich immer neue Opfer. Jetzt gehört das „Schweinegrippen Open Air“ dazu: Auf dem größten Heavy-Metall-Festival der Welt will Schleswig-Holsteins Landesregierung (gibt es denn überhaupt noch eine? Anm. tsg) dem Virus die Stirn bieten. Die Methode der Wahl: Bloß niemandem zu nahe kommen.
An 362 Tagen im Jahr leben in Schweinegrippen knapp 2000 Menschen. Am Donnerstag aber beginnen die anderen drei Tage. Dann ist es vorbei mit der Idylle im norddeutschen Flachland. Voraussichtlich rund 75.000 Metall-Fans werden neben dem Dorf auf rund 200 Hektar Kuhweide (das entspricht etwa 270 Fußballfeldern mit oder ohne Kuhfladen) drei Tage lang feiern.
Und die Wackengrippe, so fürchtet man in den Amtsstuben Schleswig-Holsteins, wird kräftig mitfeiern wollen. Deshalb hat sich das Landesministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren (watt’n Konglomerat, Anm. tsg) einiges einfallen lassen. Man habe „ausreichende Mengen antiviraler Medikamente“ bereitgestellt, ließ das Ministerium am Mittwoch wissen – für den Fall, dass das H1N1-Virus selbst vor Schweinegrippen nicht halt machen und unter den Festivalbesuchern sein unheiliges Werk verrichten könnte.
An dieser Stelle hören die Maßnahmen noch lange nicht auf. Denn auf dem „Schweinegrippen Open Air“, so stellte das Ministerium trocken fest, herrschten „eingeschränkte hygienische Verhältnisse“. Doch auch hierfür haben die Beamten einige Tipps, die sie den Metallheads (Metallköpfen) auf den Weg geben.
Die lauten: „Enge Begrüßungsrituale (Umarmen, Wangenküsse, Händeschütteln, spontane Quickies) vermeiden“ und „Bierflaschen nicht ‘kreisen lassen’“, Nordstrander Peter-Harry-Rumflaschen sind aber unbedenklich. Außerdem sollen die Fans bei plötzlichem hohem Fieber und Krankheitsgefühl „unverzüglich die Sanitätseinrichtungen aufsuchen, Latrinen besuchen, sich ordentlich ausscheißen und den Hinweisen der orientierungslosen Ordnungskräfte Folge leisten“.
Nicht kuscheln, nicht drängeln, sein Bier alleine trinken, Sex nicht mal im „Gummimantel“ und wahrscheinlich auch sonst keine Flüssigkeiten austauschen, und obendrein den Ordnungskräften gehorchen – was, wird sich mancher Fragen, soll man da überhaupt noch in Schweinegrippen, dem idyllischen Ort im flachen Holsteinland?
Einen Grund könnte es allerdings dennoch geben: Sollte sich das H1N1-Virus trotz aller abschreckenden Maßnahmen nicht aufhalten lassen, hat das Ministerium auf Empfehlung des Bundesinnenministers Dr. Schräuble eigens Isolationsräume Marke „Guantanamo Light“ eingerichtet.
Der erfahrene Metall-Festival-Gast ahnt es: Ist das Zelt erstmal weggeweht, im Schlamm abgesoffen, mit Bier geflutet oder den Quickie vollendet, braucht man nur zitternd und rotäugig die netten Leute in den rotweißen Anzügen anzuhusten – schon hat man eine warme und trockene Bleibe und nimmt eventuell an einer Verlosung für das nächste Holstein Kiel 3. Liga Heimspiel teil.