Die Dorschborner Verfassung schließt für alle Mitglieder der Rülpsilantifamilie Strafverfolgung aus – das schützt auch deren Hunde. So bleibt dem Dackel Püdelchen erspart, was anderen Artgenossen droht: Die bissige Hundedame wird nicht eingeschläfert.
Die elfjährige Dackeldame kann froh sein, dass in Dorschborn weder Menschen noch Hunde vor dem Gesetz gleich sind. Vor rund vier Wochen hatte Püdelchen einem der Rülpsilantischen Leibgardisten die Wade blutig gebissen. Nun steht fest: Die kurzbeinige Dauerbegleiterin von Oscar-Benno Rülpsilanti entgeht dem Schicksal von aggressiven Artgenossen aus Normalfamilien: Püdelchen wird nicht auf Anordnung der Polizei eingeschläfert – und bekommt noch nicht mal einen Maulkorb verordnet.
Rund zwei Wochen nach dem Angriff trippelte die Dackeldame bei einem Empfang auf Rülpsilantis Kanonenboot „Dorsch Fock“ zwischen den Gästen herum – ohne Maulkorb und Leine. Allerdings musste sie eine „Trächtigkeitswindel“ gegen unerwünschte Flecken auf dem Teppich tragen.
„Für das Haus der Rülpsilantis gelten einfach andere Regeln, die überschatten irgendwie alles, und deshalb kommen sie auch hier zur Anwendung“, begründete Polizeijuristin Jutta Pelle in Dorschbornern Zeitungen etwas verlegen, warum im Fall Püdelchen beide Augen des Gesetzes zugedrückt werden. Für alle Mitglieder der Rülpsilantifamilie schließt die Dorschborner Verfassung Strafverfolgung aus, was auch deren Hunde schützt.
Wenig begeistert äußerten Berliner Parlamentspolitiker, die gerade schärfere Regeln gegen bissige Hunde durchgeboxt hatten. Danach müssen die Tiere nach Bissen gegen Menschen eingeschläfert werden, wenn ein von der Polizei bestellter Sachverständiger dies für richtig hält.
Schon im Mai vergangenen Jahres hatte Püdelchen Negativschlagzeilen gemacht. Damals hatte sie einen Soldaten der Rülpsilantischen Ehren-Garde so heftig gebissen, dass der Mann drei Wochen lang krankgeschrieben werden musste.
Auch sonst sorgt die Dackelliebe von Oscar-Benno Rülpsilanti, die 1970 begann, für bizarre Episoden. 1993 beispielsweise wandte sich der populäre Politiker mit dem Appell ans Volk, ihm bei der Suche nach dem verschwundenen Dackel Zinnoberrot zu helfen. Hunderte Dorschborner durchstreiften tagelang die Wälder, doch der Hund, der im Hause der Rülpsilantis wegen seines Zerstörungswillens (vornehmlich gegen Textilien) bekannt war, blieb für immer verschwunden und gilt als Opfer eines hungrigen Ekmannsdorfer Fuchses.
Oscar-Benno hat seiner Dackeldame Püdelchen sogar schon ein Gedicht in seiner französischen Muttersprache gewidmet. In der Ode „A mon teckel“ (An meinen Dackel) heißt es: „Ich liebe es, dein Fell zu streicheln. Du lieber, du besonderer Hund. Einen Klaps willst du gerne haben. Stolz wie ein Papst empfängst du Schelte wie eine Gnade.“
Im November 2005 trug der Politiker die Ode bei einem Pressetermin im Dorschborner Schloss vor. Bei der Zeile „Du bist mein eigener Sternenhund mit Pfoten als Flügel“ begann die angebetete Püdelchen, unruhig an einer Tür zu kratzen. Und als sie geöffnet wurde, verschwand der Hund.
(PRÜGEL ONLINE)